Der Hund ist weg – 5 Tipps, dass es gar nicht so weit kommt.

Der letzte Artikel aus dieser Reihe – und meiner Meinung nach der Wichtigste. Während ich in den letzten beiden Beiträgen darüber geschrieben habe, wie man sich auf ein Verschwinden des Hundes vorbereiten kann und was man dann tun kann geht es heute darum, was man als Hundebesitzer machen kann, dass es gar nicht dazu kommt.

Um das zu betrachten ist es erstmal wichtig zu überlegen, warum Hunde denn “verschwinden”.
Am häufigsten sind sicherlich die zwei Gründe zu nennen:

  • Der Hund geht jagen
  • Der Hund erschreckt sich

Ein Tipp, der beiden Gründen vorbeugt:

1. Lernt euren Hund kennen

Wenn euer Hund neu bei euch eingezogen ist – lernt ihn zunächst mit euch in eurer Umgebung kennen – und gebt ihm Zeit, ganz bei euch anzukommen.

Selbst wenn der Vorbesitzer oder die Tierschutzorganisation, von der ihr euren Hund übernommen habt sagt, dass der Hund unerschrocken ist und nicht jagt: Neu bei euch ist er doch in einer Ausnahmesituation.
Zudem brauchen Hunde, besonders erwachsene Hunde aus dem Tierschutz, eine ganze Weile, bis sie wirklich “angekommen” sind.
Viele Verhaltensweisen können in einer Umgebung wie z.B. dem Tierheim gar nicht umfassend eingeschätzt werden – da kann man allerhöchstens eine “Tendenz” erkennen. Das liegt nicht daran, dass die Tierheim-Mitarbeiter nicht gut sind – nur daran, dass es für den Hund eine Ausnahme- und in den meisten Fällen auch eine Stress-situation ist.

Zudem ist die Bindung zwischen euch noch nicht da, so dass der Hund im Zweifel wahrscheinlich die Flucht wählen würde.
Ihr wisst auch nicht sicher, welche Umweltreize euer Hund kennt, welche ihm fremd sind oder welche er bereits negativ kennengelernt hat.

Deshalb: lernt euren Hund GUT kennen, bevor ihr die Leine abnehmt.
Wenn es sein kann, dass euer Hund grundsätzlich eher ängstlich reagiert, sichert ihn in der Anfangszeit lieber doppelt.

Doppelsicherung bedeutet, den Hund sowohl am Geschirr als auch am Halsband mit der Leine zu sichern.
Es gibt die Möglichkeit, eine Leine zu nutzen (z.B. bei einer verstellbaren Leine kann der eine Karabiner am Halsband festgemacht werden und der andere am Geschirr. Noch sicherer ist es natürlich mit zwei Leinen – eine am Halsband, eine am Geschirr. Der Nutzen ist klar: Wenn sich der Hund aus dem Geschirr windet ist er am Halsband noch immer gesichert (und umgekehrt).

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2.  Sicherheitsgeschirr für ängstliche Hunde

Auch ein Sicherheitsgeschirr ist bei potentiell ängstlichen/unsicheren Hunden eine gute Idee – damit verhindert ihr, dass der Hund sich in Panik aus Geschirr/Halsband windet und weg läuft.
Gerade zur Silvesterzeit würde ich jedem, der nicht 100% sicher ist, dass seinem Hund die Böller nichts ausmachen ein Sicherheitsgeschirr empfehlen.

Z.B. kann ein Ruffwear Webmaster genutzt werden (Smartie hatte lange dieses Geschirr – es ist nicht nur toll, weil der Hund sich nicht rauswinden kann, der Griff ist auch super um ihn bei einzelnen Stufen oder beim Sprung ins Auto zu unterstützen).
Es gibt auch die Möglichkeit,  Sicherheitsgeschirre auszuleihen (Tierschutz rettet Leben – die Einnahmen fließen ohne Abzug in den Tierschutz) – ein tolles Projekt!

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3. Lasst euren Hund nicht aus den Augen

Sehr häufig begegnen uns beim Spaziergang unangeleinte Hunde – erst hunderte von Metern später und drei Kurven weiter entdecken wir dann den dazu passenden Menschen – das ist keine besonders gute Idee.
Diese Menschen können ihren Hund nicht von Jagdreizen abrufen – schlicht und einfach – weil sie den Reiz und die Reaktion des Hundes nicht sehen.

Auch den Hund unbeaufsichtigt alleine im Garten zu lassen kann den Jagdtrieb erst richtig wecken.
Jagen ist für den Hund ein “selbstbelohnendes” Verhalten. Auch ohne die Beute zu erwischen setzt schon das Hetzen so viele Glückshormone frei, dass ein Hund, der erstmal auf den Geschmack gekommen ist, und sei es nur im heimischen Garten bei der Nachbarskatze oder dem verirrten Igel, es immer wieder erleben möchte.

Deshalb: haltet immer Sichtkontakt zu eurem Hund und

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4. Achtet auf euren Hund und seine Körpersprache

Nur in der Nähe sein reicht nicht – der Mensch sollte beim Gassigehen auch aufmerksam auf seinen Hund und die Umgebung sein.
Wer kennt sie nicht, die Hundebesitzer oder die “Smombies”, die den Blick fest aufs Smartphone gerichtet, mit Kopfhörern in den Ohren durch die Landschaft stapfen, während ihr Hund irgendwo um sie rum sein eigenes Ding macht?
Ja, der Hund wäre theoretisch im Sichtfeld des Menschen, im Radius-Training haben die Menschen also tatsächlich alles richtig und gut gemacht – aber es bringt nicht viel, wenn Herrchen/Frauchen kein Auge auf den Hund wirft.

Wenn man seinen Hund genau beobachtet lernt man den Moment, BEVOR er zum Jagen ansetzt zu erkennen.
Je nach Hund und Jagdpassion kann man an diesem Punkt ansetzen und ihn noch zurück rufen – falls nicht:

5.  Lasst euren Hund an der Leine

Wenn der Rückruf nicht sicher funktioniert: Lasst euren Hund an der Leine.
Das Thema ist, wie ich in der Vergangenheit lernen musste, ein heikles.

Wir Hundebesitzer wollen ja immer das Beste für unsere Fellnasen – und dazu gehört auch Freilauf.
Ohne Einschränkungen über Wiesen rennen.
Ungestört von Leinen und Karabinern einfach mal rennen und haken schlagen – das wünschen wir uns, auch für unsere pelzigen Jäger.

ABER: achtet darauf, WO das gefahrlos (und zwar nicht nur für euch und euren Hund sondern auch für das Wild) möglich ist.

Habt ihr einen Jäger am Ende der Leine, der bei Wildgeruch oder Wildsichtung nicht abrufbar ist, dann lasst die (Schlepp-) Leine in wildreichen Gebieten und in Gebieten in denen ihr nicht wisst ob sie wildreich sind, einfach dran.
Haltet das andere Ende fest und nutzt diesen Spaziergang als Training.

 

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