Der Hund ist weg – und nun?

Wem ist es noch nie passiert, dass der Hund plötzlich “abgehauen” ist?
Meist entdeckt der Jäger eine Beute oder er erschreckt sich an einem lauten Geräusch – und ist auf und davon.

Nachdem bald schon wieder Winter ist hat dieser Artikel einen sehr ernsten Hintergrund.
Nie ist die Quote der entlaufenen Hunde im Jahr höher als an Silvester.
Unerwartete Böller, die den Hund erschrecken können, aber auch die frühe Dämmerung und damit vermehrte Wildsichtungen beim Gassigang erhöhen die Gefahren.

Das erste Mal, dass ich einen Hund “verloren” habe ist viele, viele Jahre her.
Damals war ich noch Kind und der Hund gehörte einer älteren Dame in der Nachbarschaft. Nachdem unser Familienhund gestorben war hatte ich mich riesig gefreut, auf den Rüden aufpassen und mit ihm Gassi gehen zu dürfen.
Heute weiß ich nicht mehr, was passiert war, dass er weggelaufen ist – aber ich weiß noch ganz genau, wie ich mich fühlte: Hilflos und panisch.
Stundenlang lief ich durch Wald und Feld in der Hoffnung, ihn wieder zu finden, oder das er auf meine Rufe hören und zu mir zurück kommen würde.

Diese Geschichte hatte ein Happy end – nach einigen Stunden habe ich eingesehen, dass es aussichtslos war. Ich habe all meinen Mut zusammen genommen um der Besitzerin zu beichten, was passiert war – das musste ich aber gar nicht, denn: Der Hund war mittlerweile schon lange wieder zuhause und das ganze Haus in Sorge um MICH.

Lange Zeit später – im Winter letztes Jahr hat Smartie dann beschlossen, meine Unaufmerksamkeit bei einem Winterspaziergang zu einem “kleinen Jagdausflug” zu nutzen. Auch hier fühlte ich mich hilflos und panisch. Meine Gedanken überschlugen sich und vor lauter Sorgen stellte mein Kopf schließlich die Arbeit ganz ein 😉

Ich glaube, dass es den meisten von uns so geht, wenn unser geliebter Vierbeiner plötzlich verschwindet – deshalb hier ein paar Stichpunkte, wie man sich RICHTIG verhält, wenn der Hund weg läuft

Das schwierigste kommt zu allererst:

Ruhe bewahren!

Ideal ist, wenn man (wie ich im letzten Jahr) jemanden an seiner Seite hat, der einen dazu anhalten kann tief durch zu atmen, die Panik zu bekämpfen und langsam den Kopf wieder einzuschalten.
Wichtig: Kopflos hinter dem Hund her rennen hilft NICHT. Vermutlich tritt man dabei nur in ein Mäuseloch oder bleibt an einer Wurzel hängen und verletzt sich selbst ernsthaft.

An Ort und Stelle bleiben

So – und jetzt heißt es “aufteilen”.
Wenn man alleine mit dem Hund unterwegs war sollte man sich jetzt eine zweite Person dazu holen. Am besten jemanden, den der Hund gut kennt – denn von nun an sollte immer mindestens eine Person an der Stelle bleiben, an der man den Hund zuletzt gesehen hat.

Währenddessen kann die zweite Person die nähere Umgebung abgehen. Rufen und pfeifen und dabei genau die Umgebung beobachten und lauschen ist sinnvoll, falls der Hund sich irgendwo verfangen hat wird er sich in der Regel auf Ruf des Frauchens oder Herrchen bewegen oder Geräusche machen.

Passanten befragen

Scheut euch nicht, jeden Menschen den ihr seht um Hilfe zu fragen! Fragt, ob die Person einen freilaufenden Hund gesehen hat – Sichtungen können euch eine Richtung geben – aber ACHTUNG! oft haben die Passanten einen anderen Hund gesehen oder halten im Zweifel das Reh in der Ferne für den entlaufenen Pinscher

Hilfe holen

Und wenn man schon eine zweite Bezugsperson dazu holt auch gleich die “offiziellen Stellen” informieren.

Tasso, Tierheime in der Umgebung sowie die Polizei sind die Stellen, die unverzüglich informiert werden müssen.
Am besten man schreibt sich nebenbei auf, wem man vom Entlaufen des Hundes berichtet hat – um später, wenn alles gut ausgegangen ist und man mit einer Tasse Tee (oder einem Schnaps) zuhause sitzt auch an alle Stellen wieder “Entwarnung” geben zu können.

Weitere Unterstützer dazu holen

vermutlich sind die ersten 2-3 Stunden seit ihr den Hund gesehen habt nun bereits vorbei? Ihr seid verzweifelt und in euch wächst der Verdacht, dass euer nicht “gleich wieder da ist”? – dann ist jetzt allerhöchste Zeit, mehr Unterstützer zu holen.

Tasso bietet das kostenfreie Drucken von Flyern. Dieses Angebot sollte man unbedingt annehmen.

In den meisten Regionen gibt es auf Facebook Gruppen, in denen man vermisste Tiere posten kann. Die Menschen dort sind wahnsinnig hilfsbereit, teilen die Posts, melden Sichtungen weiter und helfen auch selbst suchen.

Achtet bitte darauf, dass nicht “Gott und die Welt” laut lärmend durch die Gegend rennt und nach eurem Hund sucht – durch zu viel Lärm und Aktivität kann der Hund, wenn er evtl. ohnehin schon eher schüchtern ist oder vor einem lauten Geräusch erschrocken ist, noch verängstigter werden.

Wenn euer Hund auch bei Einbruch der Dunkelheit noch nicht zuhause ist heißt es “Zelte aufschlagen” – lasst den Entlaufen-Ort nicht unbeaufsichtigt, auch nicht über Nacht.
Es sollte auch jemand zuhause (falls es für den Hund erreichbar ist) und/oder am Auto sein, falls euer Hund euch dort sucht.
Legt ihm seine Decke am Ort, an dem er weggelaufen ist aus und haltet auch etwas Futter für euren Schatz bereit.

Weitere Schritte

Ihr solltet euch auch über weitere Schritte Gedanken machen.
Besonders wenn euer Hund mit Leine / Geschirr entlaufen ist oder ihr vermutet, dass euer Hund sich verletzt hat und irgendwo liegt und Hilfe braucht, kann eine Hundestaffel, die auf Pettrailing trainiert ist weiter helfen (sprecht mich gerne an oder schickt mir eine Email, wenn ihr dazu noch mehr wissen möchtet).

Ist euer Hund schüchtern oder verängstigt und gibt es Sichtungen, es gelingt aber nicht, ihn zu sichern / einzufangen solltet ihr euch Gedanken über eine Lebendfalle machen. Die  beste Anlaufstelle dazu ist Heino Krannich – auf seiner Homepage erhaltet ihr auch ganz viele wichtige Tipps, was zu beachten ist, wenn euer Freund entlaufen ist.

Zuletzt ist mir noch wichtig zu sagen:

Wenn euer Hund zurück kommt oder ihr ihn verheddert im Wald findet: Schimpft und straft euren Hund bitte nicht!
Im Besten Fall ist er zu euch zurück gekommen – das ist super!! Freut euch nen Keks 😉
Im Schlimmsten Fall hat er sich irgendwo verheddert und ihr habt ihn gefunden – auch das ist super – ihr seid jetzt nämlich wieder zusammen!
Wenn ihr jemanden bestrafen und beschimpfen wollt dann euch selbst.

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