Seit wann sind Leinen out?

Smartie und ich leben in der Großstadt – genauer gesagt in München.
München ist eine der wenigen Städte, in der kein genereller Leinenzwang besteht.

Das ist toll, oder?

Ja, eigentlich ist es schon nett, dass unsere Stadtverwaltung der Meinung ist, der Hundebesitzer kann selbst einschätzen, ob die jeweilige Situation eine Leine als Sicherung des Hundes erfordert oder eben nicht.

Eigentlich.

Leider, zumindest ist das meine Beobachtung, können viele eben genau das nicht.

Vor kurzem habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, dass ein Hund von einem Zug erfasst wurde – Herrchen und Hund waren leinenlos nahe der Gleise unterwegs.

Ich möchte dieser Familie keine Vorwürfe machen – haben sie doch gerade genug zu bewältigen und sollen in Ruhe um ihren geliebten Freund trauern.

Doch diese Familie ist nur die Spitze des Eisberges.

Der Nachbars-Weimaraner rannte vor einiger Zeit über die (viel befahrene) Straße, um Smartie „hallo“ zu sagen. Smartie spürte meine Panik und fiel wieder in seine alte Pöbel-Haltung zurück. Davon abgeschreckt rannte der junge Weimaraner wieder über die Straße zurück zu Herrchen.

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Im letzten Sommer hat uns (also eher Smartie als mich) ein Hund über die Tramgleise hinweg angespielt – dazu rannte er mehr als vier mal hin- und wieder zurück.

Und das sind nur Beispiele. Dinge wie oben beschrieben erleben und sehen wir hier täglich. Das geliebte Tier und dazu auch (fremde) Menschen werden in Gefahr gebracht und ich verstehe nicht, warum.

Nur, weil es keine Leinenpflicht gibt heißt es nicht, dass es eine gute Idee ist, auf die Leine zu verzichten.

Wenn ich frage, warum die Besitzer auf die Leine verzichten kommen merkwürdige Argumente:

  • Er zieht an der Leine immer so
  • Ich kann ihn doch eh nicht halten
  • Er soll „Hund sein dürfen“
  • Meiner rennt doch eh NIE auf die Straße

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Zu den ersten beiden Punkten kann ich nur sagen: üben hilft – vermeiden nicht.

Hätte meine Mutter, als ich als kleines Kind meine ersten wackligen Gehversuche unternommen habe gesagt „sie kann es halt nicht“ würde ich heute noch im Kinderwagen sitzen. Was ich damit sagen möchte ist, dass nahezu jeder Hund lernen kann, anständig an der Leine zu gehen.

Und ehrlich – gerade solange er es nicht kann gehört er an sie.

Den dritten Punkt höre ich immer wieder in den unterschiedlichsten Situationen – meistens, wenn der Hund etwas tut, was er nicht tun sollte. Hasen jagen, Fahrräder markieren, mit Joggern „fangen“ spielen oder eben mitten in der Stadt da hin Latschen wo es ihm gerade in den Sinn kommt.

Fakt ist: in unserer Gesellschaft muss sich jeder, auch ein Hund, an ein paar Regeln halten. Eine davon ist, nicht vor ein Auto zu rennen (und keine Räder anpinkeln oder Jogger, Hasen oder irgendwas anderes jagen).

Den letzten Punkt empfinde ich am schwierigsten. Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Vierbeiner an meiner Seite habe, der für Außenreize sehr empfänglich ist, dass ich dieses Argument so gar nicht verstehen kann.

Wir haben ein lebendes Wesen an unserer Seite – keinen Roboter. Niemand kann sicher sein, dass der Liebling nicht doch mal erschrickt oder dem Drang (Spielkamerad, Herrchen, Katze…) auf der anderen Seite erliegt.

Bitte! Nehmt euren Schatz wenigstens in der Nähe von Straßen oder Schienen an die Leine!

Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun.

(Fotos: pixabay)